Jännerralley versus Windräder?
Bisher zwei selbständige Themen. Gibt es hier nicht aber Zusammenhänge?
Von außen betrachtet empfand ich nach den Protestaktionen gegen Temelín
jeden Versuch, die Energieversorgung auf Erneuerbare Basis zu stellen,
als wichtige Initiative, wie auch in Tschechien die Diskusion in die
richtigen Bahnen kommen kann. Es gibt eine tolle zweisprachige
Ausstellung dazu in Windhaag. Die Leute um den Energiebezirk Freistadt
versuchen, endlich System in die Energiediskussion zu bringen. Ähnlich
das Energycenter in Budweis, das gerade wieder Busse zur
Energiesparmesse nach Wels organsiert. Und, und und...
Ich erlebte Exkursionen nach Windhaag, wo tschechische Bekannte ihr
Misstrauen gegenüber den Österreichern gegen einen begeisterten Blick
auf Windräder und Solaranlagen eintauschten. Einige davon versuchen
später, im eigenen Bereich z.B. ein Passivhaus zu bauen, oder werden
Aktionäre der Windkraftfirma www.windkraft.at, sind in der Regel
jedenfalls nicht mehr selbstbewusste Verteidiger der Atomkraft, die sie
vielleicht zu Zeiten der Grenzblockaden noch waren. Ich sehe also
Fortschritte. Die kamen auch dadurch zustande, dass es z.B. diese
Windräder in Grenznähe gibt.
Jedes dieser Projekt braucht Zeit und Diskussionen. Es darf kein
Drüberfahren geben und am besten laufen Projekte, bei denen die
unmittelbaren Nachbarn eingebunden sind und vielleicht sogar verdienen
können. Dass das geht, hat so Mancher schon begriffen. Ich würde es
jedenfalls begrüßen, wenn zu den Windrädern in Windhaag, Schenkenfelden
und am Sternstein auch in Leopoldschlag welche dazukommen würden.
Übrigens beträgt die in Österreich installierte Leistung aller gut
600 Windräder fast so viel, wie ein Block in Temelín schafft. In den
letzten Jahren kamen in Österreich aber kaum Windräder hinzu, während im
Bereich der Photovoltaik in derselben Zeit in Tschechien knapp doppelt
so viele Anlagen aus dem Boden wuchsen, wie wir in Österreich haben.
Nicht selten in megalomanischer Manier, wo die Bevölkerung wenig
eingebunden ist. Leider. Aber aus Fehlern kann und soll man lernen. Das
ist auch meine Verknüpfung mit der Jännerralley.
Wenn man als Bezirk Freistadt engagiert an der Energiewende
arbeitet, im Bereich der Abfallentsorgung Pionierarbeit geleistet hat
und auch sonst bei wenig Mitteln so Einiges zustande bringt, frage ich
mich, ob Veranstaltungen wie die Jännerralley nicht vieles davon
konterkarieren. Jedes durchdachte Werbekonzept legt Wert, dass es nicht
von widersprüchlichen Signalen entwertet wird.
Ähnlich sehe ich die Situation hier. Wäre nicht sinnvoll, nicht
zuletzt aus touristischen Gründen, statt der Jännerralley z.B. einen
Elektrofahrzeugwettbewerb anzudenken, im Rahmen dessen
grenzüberschreitend mit Ökostrom betriebene Neuheiten auf diesem Sektor
präsentiert würden? Am besten im Sommer. Ich hielte das für eine
gescheite und sinnvolle Sache.
So wie ich übrigens auch einen Anschluss des Betriebsbaugebiets in
Rainbach an die Eisenbahn für klug gehalten hätte. Die S-10-Lobby war
leider stärker. Muss das immer so sein??? Nein!!
Aus verschiedenen Gründen kann ich also sowohl Kritiker der Jännerralley
verstehen als auch die Befürwörter des geplanten Windparks in
Leopoldschlag unterstützen. Was aber nicht heißt, dass Überlegungen für
das eine oder Bedenken gegen das andere nicht legitim wären.
Bernhard Riepl, Budweis/Sandl
Lieber gute Passivhäuser aus Großschönau als schlechte Protokolle aus Melk
Die alle zwei Jahre stattfindende Generalversammlung des Vereins
www.sonneundfreiheit.eu war heuer im Waldviertler Passivhausdorf Großschönau angesetzt. Im Rahmen des Projektes
www.probewohnen.at hatte der österreichisch-tschechische Anti-Atom-Verein dabei für 3 Tage ein sogenanntes Passivhaus gemietet.
So konnten die AktivistInnen aus insgesamt drei Ländern in der Praxis erfahren, wie es sich in einem Haus, vor dessen Türen es Anfang März plötzlich wieder zu schneien begann, ohne Heizkessel im Keller trotzdem angenehm wohnen lässt. Außerdem wurde fleißig gekocht (+gegessen), Europa mittels eines deutsch-tschechischen Quizes kennen gerlernt, Fremdsprachen studiert und grenzüberschreitend Kontakte verknüpft und vertieft.
Die Generalversammlung des Vereins erbrachte bei der Neuwahl die Bestätigung des bisherigen Vorstands mit Bernhard Riepl, Hadwig Vogl, Pavel Vlček, Hans Koller, Alena Vydrová und Ludmila Opelková an der Spitze. Unter anderem wird der Verein in der nächsten Arbeitsperiode die Herausgabe des «Passivhausbuches für Kinder» unterstützen, das bald auch auf Tschechisch erscheinen soll. Auch die Kampagne
www.raus-aus-euratom.at wird einer der Schwerpunkte sein.
Eine Führung durch das Passvihausdorf am Sonntag war der Abschluss dieses Aktionswochenendes. Dabei erklärte Bürgermeister Martin Bruckner, eine im Waldviertel bekannte und ähnlich engagiert arbeitende Persönlichkeit wie Windhaags Ex-Bürgermeister Alfred Klepatsch die technischen Details und Schwierigkeiten, die beim Bau eines Passivhauses zu berücksichtigen sind. Mit dabei auch junge Häuslbauer aus Tschechien, die überlegen, ähnliche energiesparende Häuser selbst zu errichten.
Das Gruppenbild aus dem Probewohn-Passvihaus kann auch symbolisch verstanden werden: Besser gute Passivhäuser aus Großschönau als schlechte Melker Protokolle!
Bernhard Riepl
b.riepl@eduhi.at
www.sonneundfreiheit.eu
März 2009
Der tschechisch-österreichische Anti-Atom-Verein
www.sonneundfreiheit.eu
verleiht anläßlich des 30. Jahrestags der Ablehnung des AKW-Zwentendorf am 5.11.1978
sowie des vierten Jahrestags des Kaufs des Widerstandshauses im Französischen Bure (23.11.2004)
den
2008 – Sonne+Freiheit-Anerkennungspreis
im Wert von je einer
www.windkraft.at Aktie (momentan cca. 400 €) an
die Herrn Alfred Klepatsch und Josef Mach.
Damit sollen die Bemühungen beider gewürdigt werden, mit der Unterstützung erneuerbarer Energieprojekte der atomaren Bedrohung konkrete Alternativen entgegengestellt zu haben. Gleichzeitig haben sie an der Spitze ihrer jeweiligen Gemeinden Windhaag/Fr. und Věžovatá Pláně stellvertretend für das jeweilige Land durch sehr persönliches Engagement viele Kontakte über die Staatsgrenzen hinweg geknüpft. Es gelang unter anderem dadurch, beiderseits der Grenze nach einer schwierigen Phase nach dem Jahr 2000, zu einer deutlichen Entspannung zu kommen, ohne dass, und das erscheint wesentlich, eine Seite gezwungen worden wäre, ihr Gesicht zu verlieren und Eckpunkte der jeweiligen Identität zu opfern.
Herr Klepatsch initiierte schon als junger Bürgermeister viele zukunftsweisende Ansätze, die mittlerweile auch dem Bezirk Freistadt insgesamt zu einer neuen Perspektive verhelfen. Dabei verstand er es geschickt, nicht nur Partei- sondern auch Landesgrenzen zu überwinden.
Es war der Temelín-Widerstand, der Herrn Klepatsch in Kontakt mit Bürgermeister Josef Mach brachte. Dieser mutige, auch aus der Landwirtschaft kommenden Pionier versuchte, oft gegen großen Widerstand, ähnliche Ziele zu realisieren. Nicht immer klappte alles. Und dennoch wurde seine Gemeinde unter Laborbedingungen zu einem kleinen zweiten Fokus der Aktivitäten gegen die Atomlobby. Seit dem Herbst 2008 gibt es jedenfalls unter seiner Regie auch eine Biogasanlage, die vielleicht eine ähnliche Rolle spielen wird, wie die Windräder hinter Herrn Klepatsch´ Haus. Von dort übrigens könnte der eine Bürgermeister schön zum zweiten hinüber sehen. Leider steht am 30 km entfernten Berg Poluška noch kein Windrad. Was nicht ist, kann aber noch werden. Dann wäre dieser Kontakt, Klepatsch-Mach auch nach außen durch eine starke Symbolik gefestigt.
Der diesjährige Sonne+Freiheit-Preis stellt seinem Umfang nach keine Revolution dar. Die meisten Preise sind besser dotiert. Nicht nur sollte man aber die WEB-Aktie nicht unterschätzen. Entscheidend scheint, dass nunmehr die Richtung der Aktivitäten gleichgeschaltet ist.
In beiden Gemeinden gibt es Potential und Willen, Kultur und Ökologie zum Wohle der Menschen zu verknüpfen. Die Vertreter des Vereins Sonne+Freiheit, freuen sich, dabei mithelfen zu dürfen und danken auch jenen Menschen, die im Rahmen der Sonne+Freiheit-Sprachkurse die nötigen finanziellen Mittel erarbeitet haben.
Die Symbolik wird unterstrichen durch unsere mehrsprachige Bibliothek, die für ein weiteres Jahr in den Büchereien Sandl, Windhaag, Věžovatá Pláně und in Budweis im Büro der südböhmischen Umweltorganisationen OIŽP und "Südböhmische Mütter" (Nová 12) ökologisch relevante Literatur anbietet, andererseits in der jeweiligen Landessprache wertvolle Informationen aus dem Bereich der Geschichte und Kultur, speziell Österreichs und Tschechiens vermittelt.
Windhaag, 23.11.2008
Sonne+Freiheit-Spezialsprachkurs dreisprachig
Erstmals Brückenschlag zur Französischen Anti-Atombewegung
Bereits zum zweiten Mal fand heuer rund um den Gedenktag des Abwurfes der ersten Atombombe auf Hiroshima am 6. August 1945 in Tschechiens erster Klimabündnisgemeinde Věžovatá Pláně ein internationaler Sprachkurs statt.
Wie schon 2007 organisierte der Verein "Sonne+Freiheit" eine gemeinsame Woche mit Intensivsprachkurs für Englisch, Deutsch und Tschechisch. So konnten diesmal 11 Interessierte TeilnehmerInnen nicht nur neue Aspekte einer Fremdsprache erlernen, sondern auch Kontakte über die österreichisch-tschechische Grenze hinweg knüpfen. Die dabei eingenommenen Spenden kann, dank der ehrenamtlichen Tätigkeit der 5 beteiligten Lehrpersonen, der Verein "Sonne+Freiheit" zur Finanzierung des im November zum 3. Mal zu vergebenden Sonne+Freiheit-Preises verwenden.
Dieser Anerkennungspreis für besondere Verdienste im Widerstand gegen das atomare Risiko und zur Durchsetzung erneuerbarer Energiequellen ist mit je einer Aktie der Firma
www.windkraft.at dotiert und wird heuer parallel in Windhaag bei Freistadt und im südböhmischen Věžovatá Pláně vergeben.
Einige Teilnehmer des diesjährigen Spezialsprachkurses besuchten auch die Theatervorführung "Transfer/odsun" der Grenzlandbühne Leopoldschlag und waren beeindruckt und erschüttert zugleich, wie vielschichtig dieses komplizierte Thema einer europäischen Tragödie dargestellt wurde. Für nächstes Jahr plant der Verein "Sonne+Freiheit" einerseits die Übersetzung eines amerikanischen Theaterstücks darüber, wie die Firma Westinghouse zu ihren Aufträgen für das AKW Temelín kam.
Außerdem sollen dann zum Spezialsprachkurs auch Gäste der Anti-Atombewegung aus Frankreich eingeladen werden, die Bernhard Riepl, Obmann des Vereins, diesen Sommer im ostfranzösischen Bure besuchen konnte, einem geplanten Standort für ein Atommülllager.
"Im Atomstaat Frankreich ist der Widerstand gegen die Atomgefahr mit über 800 Gruppen für mich überraschend stark, aber international noch nicht sehr vernetzt. Da werden wir gerne mit unseren Kontakten in Österreich und Tschechien unterstützend eingreifen und für nächstes Jahr ein Zusammentreffen mit Aktivisten aus Deutschland, Frankreich, Tschechien und Österreich organisieren. Der in Österreich diskutierte Ausstieg aus EURATOM wird im Übrigen auch in Frankreich mit großem Interesse verfolgt. Er könnte ein Meilenstein in der weiteren Entwicklung der EU darstellen, so der Tenor aus Bure. Die Atomlobby hat zwar mehr Geld, international vernetzen können - und müssen - wir uns aber auch", so Bernhard Riepl abschließend.
Budweis, August, 2008
VertreterInnen der Anti-Atombewegung aus Frankreich, Deutschland, Australien, Tschechien und Österreich vor dem Widerstandshaus im ostfranzösischen Bure

TeilnehmerInnen des 2. Sonne+Freiheit-Spezielsprachkurses im südböhmischen Věžévatá Pláně, rechts das erste gerade entstehende Passivhaus in der Region, im Hintergrund Gemeindegasthaus mit Solaranlage, die von der Anti-Atombewegung finanziert wurde.
weiter Infos:
00420775383750
b.riepl@eduhi.at
www.sonneundfreiheit.eu
Treffen der Menschen von Temelín - erstmals mit österreichischer Beteiligung
Wie im kürzlich beim Verlag Steinmaßl auch auf Deutsch erschienen Buch "Die Menschen von Temelín", verfasst vom südböhmischen Journalisten und Autor Antonín Pelíšek, geschildert, treffen sich die ehemaligen Bewohner der Dörfer rund um das AKW Temelín nach wie vor regelmäßig. Zweimal pro Jahr, zu Allerheiligen und im Juli, rund um den Heiligen Prokop, der am 4.7. gefeiert wird, versammeln sich jene Menschen, die wegen des Atomkraftwerks um Ihr Zuhause gekommen sind in der Kirche, die als Erinnerung stehen bleiben durfte.
Wie immer zelebrierte Pfarrer Sobišek, dem im Buch von Antonín Pelíšek ein eigenes Kapitel gewidmet ist, die Heilige Messe.
"Es waren Hunderte Besucher, die einander im Rahmen eines Kirtags wieder trafen und der Zeit gedachten, als sie noch in ihren eigenen Häusern in dieser uralten Kulturlandschaft nördlich von Budweis wohnen konnten", zeigte sich Bernhard Riepl vom Verein "Sonne+Freiheit" überrascht von der großen Anzahl der Besucher.
Mit der Übersetzung des Buches über diese Menschen kann man nun auch in Österreich nachvollziehen, dass es sehr wohl einheimischen Widerstand gegen das Kraftwerk gab und gibt. Und wie Josef Veselý, ein in Wien lebender ehemaliger (eigentlich immer noch!) Besitzer eines Grundstücks, auf dem das Kraftwerk nun steht, haben sich auch andere Betroffene keineswegs mit der Willkürherrschaft der Atomlobby abgefunden.
"Selbstverständlich versucht ČEZ, dieses traditionelle Zusammentreffen der ehemaligen Bewohner dieser verschwunden Gemeinden mit Sponsorgeschenken zu "kaufen". Und die Strategen vom Kraftwerk werden damit spekulieren, dass mit dem Sterben der letzten, die sich an den damaligen Widerstand erinnern können, auch die Vorstellung verschwindet, es könne auch ohne AKW gehen. Wie aus gut informierten Kreisen zu hören ist, plant eine japanische Firma bereits die Blöcke 3 und 4 mit je etwa 1 600 Megawatt Leistung, was insgesamt das Dreifache eines bisherigen Blockes ausmachen würde.
Auch wenn wir uns von der Politik, weder in Prag, noch in Wien, viel erwarten können, wir können zumindest das Gespräch mit jenen Menschen suchen, die sich hier ganz konkret für ihr Zuhause eingesetzt haben und wie z.B. Herr Veselý immer noch mit juristischen Mitteln um ihre Rechte kämpfen. Und wir können, wie Anfang August geplant, auch wieder den bereits zweiten Sonne+Freiheit-Spezialsprachkurs in Tschechiens erster Klimbündnisgemeinde Věžovatá Pláně vorbereiten, wofür wir heute mit Jíři Vrzák einen langjährigen Unterstützer der Anti-Atom-Bewegung, dessen ukrainische Frau leider an Krebs starb, ganz besonders eingeladen haben. Eine engagierte Außenpolitik muss aber primär unsere Bundesregierung machen. Und zu sagen, das geht nicht, ist keine gute Ausrede. Die 40 Millionen Euro, die Österreich jährlich in den Fond von Euratom zahlt, wären als erster Schritt sehr gut aufgehoben in einem Fond, der stattdessen europaweit die Energiewende hin zu den erneuerbaren durchsetzt", so Bernhard Riepl vom Verein Sonne+Freiheit abschließend und verweist auf weitere Infos unter
www.sonneundfreiheit.eu .
Budweis, 6.7. 2008
Bernhard Riepl,
b.riepl@eduhi.at, 00420775383750
Foto: v.l.n.r.: Josef Veselý, Jíři Vrzák, Pavel Vlček, Bernhard Riepl, Jana Vlčková, Marianne Bayrleitner, Eliška Švecová, Rudolf Bayrleitner, Hadwig Vogl gegenüber der Prokopskirche in Temelín, Solarkollektor im Hintergrund!!!
2. Sonne+Freiheit-Anerkennungspreis am 4.11.2007 an südböhmischen Schriftsteller Antonín Pelíšek für sein Buch "Die Menschen von Temelín", verliehen. In Kürze wird es beim Verlag Steinmassl in Deutsch erscheinen.
Die 2. Sonne+Freiheit-Preisverleihung, wieder anlässlich des Jahrestages der Ablehnung des AKW-Zwentendorf am 5.11. 1978, verlief in netter Atmosphäre. Zuerst wurden in der Gemeindebibliothek in Sandl kurz die Bücher aus der nun für ein Jahr in Sandl und Budweis zur Verfügung stehenden S+F-Bücherkiste vorgestellt. Vom Eurosolarpräsidenten Hermann Scheer über Robert Jungks "Atomstaat" bis hin zu den ersten beiden Tschechoslowakischen Präsidenten Masaryk und Beneš reicht dabei das in jeder Hinsicht auch provokative Spektrum. Unter
http://www.sonneundfreiheit.eu/literatur.html findet sich die komplette Bücherliste, einige Titel davon auch in Englisch, Spanisch und Französisch.
Der erste Teil der Übergabe des mit 1000 € dotierten Preises fand in Sandl statt, dem Ort, an dem 2001, also 15 Jahre nach Tschrnobyl der Verein "Sonne+Freiheit" seinen Anfang nahm. Der 2. Teil dann am Abend in Budweis. "Anti-Atom-Engagement und grenzüberschreitende Kontaktpflege müssen einander nicht ausschließen und beides wird vom Verein Sonne+Freiheit beispielhaft gepflegt", unterstrich Preisträger Antonín Pelíšek in seiner kurzen Dankesrede. Er ist hauptberuflich südböhmischer Regionalberichterstatter für die wichtige tschechische Tageszeitung MFDnes und verknüpft immer wieder auf sensible Weise persönliches soziales und ökologisches Engagement mit seiner Tätigkeit als Journalist. Das ist klarerweise nicht immer leicht. Sein Buch "Die Menschen von Temelín" übersetzte Bernhard Riepl aus Sandl, der als Fremdsprachenlektor in Budweis tätig ist, ins Deutsche. "Es behandelt das Schicksal jener ehemaligen Bewohner der Dörfer rund um Temelín, die wegen des Kraftwerks ihre Heimat verlassen mussten und umgesiedelt wurden. In dem Buch, das in Kürze im Verlag Steinmassl erscheint, wird dem Leser auch ein realistisches Bild des Lebens im Kommunismus vermittelt. Das verleiht ihm einen Wert weit über den atomkritischen Aspekt hinaus", erklärte Riepl, der dem österreichisch-tschechischen Anti-Atom-Verein Sonne+Freiheit auch vorsteht. Einig war man sich, dass der AKW-Widerstand kreativ in seinen Formen sein muss und klarerweise auch vor der eigenen "österreichischen Tür" nicht halt machen darf. Eine Umschichtung der ca. 40 Millionen Euro, die Österreich jährlich an die Atomlobby-Organisation Euratom bezahlt - in Richtung erneuerbarer Enwegiewende, wäre nur konsequent und längst fällig. Diesbezüglich höre man auch von den Abgeordneten der Regierungsparteien aus der Region kaum etwas, wurde kritisiert.
Bevor der tschechische Teil der Runde dann Sandl entlang der Maltsch Richtung Budweis verließ, lud Bürgermeister Pils die TeilnehmerInnen noch auf ein Getränk im GH Fleischbauer ein. Der Fluss Maltsch, ein Symbol für die erneuerbare Kraft des Wassers, verbindet nun für ein Jahr die beiden Sonne+Freiheit-Bücherkisten. Im nächsten Jahr, anläßlich des 30. Jahrestags der Ablehnung des AKW-Zwentendorf, wird dieses Projekt eventuell in anderen Gemeinden noch eine Erweiterung finden.
Sonne+Freiheit-Spezialsprachkurs erfolgreich abgeschlossen
Insgesamt 12 TeilnehmerInnen aus Österreich und Tschechien erlernten in der zweiten Augustwoche, beim Sonne+Freiheit-Spezial-Sprachkurs die Grundzüge der deutschen und der tschechischen Sprache. Am Ende der Woche konnten sie schon einigermaßen miteinander kommunizieren. Der Kurs begann am 6.8., dem Tag, an dem im Jahre 1945 die erste Atombombe in Hiroshima das Atomzeitalter einläutete. Der Verein www.sonneundfreiheit.eu hat es sich zur Aufgabe gemacht, grenzüberschreitend Anti-Atomarbeit mit kulturellen Begegnungen zu verknüpfen. Im Rahmen dessen wurde die Windhaager-Energie-Ausstellung "Weg nach übermorgen" besucht, die vorbildlich zweisprachig angeschrieben ist. Ziemlich überrascht waren die Aktivisten aus beiden Ländern aber, als sie hinter dem Grenzübergang Wullowitz eine Begrüßungstafel des O.Ö. Tourismusverbandes entdeckten, die internationale Gäste in 5 Sprachen begrüßt (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Holländisch). Dass da ausgerechnet Tschechisch fehlt, könnte als Versehen gewertet werden - leider aber auch als Absicht. Den Kursbesuchern aus beiden Ländern, stellte sich jedenfalls die Frage, wie ernst es dem Land Oberösterreich mit seinem Atomwiderstand ist. Man sollte ja annehmen, dass man, wenn man in der tschechischen Öffentlichkeit etwas erreichen will, diese zumindest in ihrer eigenen Sprache begrüßt und anspricht. In Tschechien wiederum, war man sich einig, wäre es sehr wichtig, das Förderungswesen in Bezug auf die Erneuerbaren Energien endlich auf Basis einer Anspruchsförderung umzustellen und Solaranlagen nicht mehr mit pseudo-denkmalschützerischen Argumenten verhindern zu wollen. Das war leider im UNESCO-Dorf Holašovice, das im Rahmen des S+F-Kurses ebenfalls besucht wurde, der Fall. Auch in Kaplice stellt das ein Problem dar, wie Ružena Šandová, fleißige Deutschlernerin, bestätigt: "Ich verstehe nicht, warum ich am Dach meines Hauses keine Solaranlage haben darf. Wenn man sieht, was in diesem Bereich in Österreich oder Deutschland alles möglich und sinnvoll ist, dann fragt man sich wirklich, ob da nicht die Atomlobby in zu vielen Ämtern zu großen Einfluss hat."
Abgeschlossen wurde der Kurs dort, wo er begonnen hatte, nämlich im Dorfgasthaus der 1. Tschechischen Klimbündnisgemeinde Věžovatá Pláně im Rahmen des "kaplitzer stammtisch". Dieses monatliche Treffen findet seit November 2004 jeden 2. Samstag im Monat abwechselnd an verschiedenen Orten zwischen Linz und Budweis statt und versammelt in ungezwungener Atmosphäre immer wieder sehr interessante Menschen. Ein Sprachenproblem gab es dabei noch nie. Nächstes Treffen wird am 8.September im alten Wallfahrtsort Řimov stattfinden.
Kontakt: Bernhard Riepl
Tel.: 00420775383750
b.riepl@eduhi.at
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